Appenzell Ausserrhoden

Mitfinanzierung der Tunnel-Variante in Teufen als Option?

01.11.2011

Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Verbesserung der Verkehrssituation im Dorf Teufen ist an der dritten Sitzung des Beirats neben der Bahn-Einspur- bzw. Doppelspur-Variante nochmals die Variante eines Bahn-Kurztunnels vom Bahnhof bis zum Stofel ins Gespräch gebracht worden. Jetzt werden Möglichkeiten und Konsequenzen einer Finanzierung der Tunnel-Mehrkosten durch die Gemeinde Teufen abgeklärt.

Um Interessierten eine vertiefte Information über Vorteile bzw. Nachteile einer Bahn-Doppelspur zu ermöglichen, waren die Beiratsmitglieder einige Tage vor der dritten Sitzung zu einer Besichtigung der Situation in der Stadt St. Gallen eingeladen. Besichtigt wurde der Abschnitt Marktplatz - Spisertor - Schülerhaus. Von Seiten der Verantwortlichen der Stadt und der Stadtpolizei sowie einer Zugführerin der Appenzeller Bahnen wurden der Verkehrsalltag, der Unterhaltsaufwand und andere Besonderheiten einer Doppelspur erläutert. Es sei sicher besser für den Langsamverkehr, wenn keine Geleise in der Strasse geführt werden müssten, wurde erklärt, doch komme man damit gut zurecht.

Tunnel-Variante nicht vom Tisch
Nach der Begrüssung durch Baudirektor Jakob Brunnschweiler wurde an der Sitzung des Beirats nochmals über die Bahntunnel-Variante (Bahnhof bis Stofel) diskutiert. Beiratsmitglieder betonten, dass es nicht nur um die Frage Doppelspur oder Einspur gehen dürfe. Beide Varianten seien für die Attraktivität des Dorfzentrums unbefriedigend, und es sei falsch, sich bei der Ablehnung der Tunnel-Variante immer noch auf das vor Jahren erfolgte «Nein» der Teufnerinnen und Teufner zu berufen. Es gehe um eine langfristige Lösung und darum dürfe ein Tunnel nicht ausser Acht gelassen werden. Bei einer langfristigen Betrachtung müssten bei den Mehrkosten von 40 Mio. Franken (Kosten inkl. Strassensanierung: ohne Tunnel 25 Mio. Fr., mit Tunnel 65 Mio. Fr.) auch Ansätze der Mitfinanzierung untersucht werden; Teufen sei keine arme Gemeinde.

Baudirektor Jakob Brunnschweiler erklärt dazu, dass ein Tunnel wegen der hohen Kosten kaum eine Chance auf eine Mitfinanzierung durch den Bund hätte, eine Sanierung an Ort hingegen schon. Auch auf den Kanton kommen finanziell schwierigere Zeiten zu. Leisten könne sich der Kanton eher die Variante ohne Tunnel.

Die Varianten im Vergleich
Kantonsingenieur Urban Keller erläuterte anschliessend die aus dem Jahre 2008 stammende Zweckmässigkeitsbeurteilung der Varianten «Doppelspur» oder «Tunnellösung». Bei beiden Varianten resultiere kein grosser volkswirtschaftlicher Nutzen, man müsse sich eine Lösung in Teufen leisten können. Aus Sicht der Appenzeller Bahnen habe die Doppelspur auch Vorteile, in Bezug auf die Möglichkeiten bei der Dorfgestaltung lägen die Vorteile eindeutig bei der Tunnel-Variante.

Bei der ebenfalls von Urban Keller erläuterten aktuellen Nutzwertanalyse zwischen Doppelspur- und Einspur-Variante zeigen sich gewisse Vorteile für die Doppelspur; insbesondere darum, weil bei einer Einspur-Variante mehr Sicherungsanlagen durchs Dorf nötig wären als bei der Doppelspur. AB-Verwaltungsratspräsident Jörg Schoch machte deutlich, dass «nichts machen» keine Option sei, weil die zahlreichen Bahnübergänge gemäss Vorgabe des Bundes bis 2014 saniert sein müssten. Eine Minimalvariante mit nur den nötigsten Bahnsicherungen ohne behindertengerechten Bahnhof und ohne Sanierung der Bahnhofkreuzung ist aus Sicht des Kantons und der Gemeinde keine Lösung. Gemeindepräsident Walter Grob erklärte, dass der Gemeinderat Teufen mehrheitlich die Variante Doppelspur bevorzuge, weil diese bessere Möglichkeiten für die Dorfgestaltung biete, weniger Signale nötig mache und hoffentlich auch eine Verkehrsberuhigung bringen würde.

Tunnelfinanzierung durch Gemeinde?
Im Verlauf der weiteren Diskussion wurde deutlich, dass einige Beiratsmitglieder für die Doppelspur-Variante sind, andere sind für die Einspurlösung; und für einen Teil steht die Tunnel-Variante im Vordergrund. Ins Spiel gebracht wurde eine Finanzierung der Tunnel-Mehrkosten (40 Mio. Franken) durch die Gemeinde Teufen, allenfalls mit einer Steuerfusserhöhung. Gemeindepräsident Walter Grob äusserte sich dazu allerdings skeptisch. Baudirektor Jakob Brunnschweiler plädierte dafür, die Tunnel-Mehrkosten und deren Eigen- oder Vorfinanzierung durch die Gemeinde Teufen genauer zu prüfen und mit dem Bundesamt für Verkehr (BAV) auszuloten, was diesbezüglich überhaupt machbar sei. Gemeindepräsident Walter Grob nahm diesen Vorschlag positiv auf. Anlässlich der Budgetversammlung am kommenden 10. November wird darum - neben einer Erläuterung des Variantenvergleichs Doppelspur/Einspur - auch über Möglichkeiten und Konsequenzen einer Tunnel-Finanzierung durch die Gemeinde Teufen informiert.

Kantonskanzlei
Regierungsgebäude
9102 Herisau

Tel.: 071 353 61 11
Fax: 071 353 68 64

Bürozeiten:
07.30 - 12.00 Uhr
13.30 - 17.30 Uhr

Lageplan anzeigen