Appenzell Ausserrhoden

Kultur und Tradition in Appenzell Ausserrhoden

Seit jeher verfügt Appenzell Ausserrhoden über ein reichhaltiges kulturelles Leben. Nicht nur Bauernmalerei, Brauchtum und Volksmusik sind lebendig und im Volk stark verwurzelt. Auch zeitgenössisches künstlerisches Schaffen in seiner ganzen Breite gehört dazu. Verschiedene Museen und Bibliotheken bieten ein attraktives Angebot für Mussestunden. Zahlreiche lokale Veranstalter sorgen dafür, dass nationale und internationale Kleinkunst in vielfältiger Art und Weise regelmässig präsent ist.

Kantonales Kulturkonzept


Das kantonale Kulturförderungsgesetz bildet die Grundlage für die Unterstützung des kulturellen Schaffens, der Kulturpflege und Kulturvermittlung. Im Kulturkonzept 2008 steht: «Die Kulturlandschaft Appenzell Ausserrhoden kann als kulturelle Streusiedlung von grosser Vielfalt und organischem Wachstum bezeichnet werden. Es gibt keine eigentlichen Zentren und Ballungsorte. Herde kultureller Aktivität sind über den ganzen Kanton verstreut, mit Konzentration in den Ortszentren, meist um die bestehenden Institutionen wie Museen, Bibliotheken, Lesegesellschaften und Vereine herum. Diese bilden ein dichtes, teilweise wild gesticktes Netz. Institutionelle Leuchttürme fehlen – entscheidend ist vielmehr oft die Zugkraft einzelner Personen.» Auf kantonaler Ebene widmen sich das Amt für Kultur, die Kantonsbibliothek, die Denkmalpflege sowie das Staatsarchiv der Kulturpflege und Kulturvermittlung. Die kantonale Kulturförderung unterstützt einzelne Projekte in allen Sparten und fördert bestehende Institutionen. Wichtig für die Förderung des kulturellen Schaffens in Appenzell Ausserrhoden sind zudem die Stiftungen, dank deren finanzieller Unterstützung viele Vorhaben realisiert werden können.

Brauchtum ist Volkskultur

Kultur, insbesondere die eng mit dem Brauchtum verbundene Volkskultur, findet nicht hinter hohen Mauern, sondern in aller Öffentlichkeit statt. Sie ist Teil des Alltags in Appenzell Ausserrhoden. Obwohl nur acht Prozent der Beschäftigten im Landwirtschaftssektor tätig sind, hat das bäuerliche Brauchtum hierzulande einen hohen Stellenwert – und stösst auch bei der nichtbäuerlichen Bevölkerung auf Interesse. Die Alpfahrt im Frühsommer, die dann folgenden Alpstobeten, die Alpabfahrt und als Abschluss im Herbst die Viehschauen sind Bestandteil des kulturell-gesellschaftlichen Lebens. Zur Volkskultur zählen auch das traditionelle Silvesterklausen am 31. Dezember im Appenzeller Hinterland und in Teufen und – vor allem in Urnäsch und Waldstatt – am Alten Silvester am 13. Januar. Ebenso zum Brauchtum gehören die zahlreichen Blochumzüge zum Ende der Fasnachtszeit. Die appenzellische Streichmusik, die Bauernmalerei, die Chüelischnitzer und auch die Jodlerinnen und Jodler in den Vereinen sind wichtige Träger der Ausserrhoder Kultur. Wie lebendig diese Kultur ist, wird dann unüberhörbar, wenn abends in der Wirtschaft einige Männer «no e Zäuerli nemed», einen spontan angestimmten Naturjodel. Da wird einem warm ums Herz! So richtig «e Wööli», wie die Einheimischen dieses Gefühl treffend umschreiben.

Lokale Kultur

Neben dieser mit dem Brauchtum verbundenen Volkskultur ist in den Dörfern Kultur in vielfältiger Art und Weise präsent. Da sind die verschiedenen Museen, die neben dem historischen Blick zurück auch thematische Schwerpunkte setzen, z.B. das Museum Herisau mit dem Schriftsteller Robert Walser. Im Brauchtumsmuseum Urnäsch steht neben dem historischen besonders das lebendige Brauchtum im Vordergrund. Das Volkskundemuseum in Stein zeigt eine bedeutende Sammlung klassischer Appenzeller Bauernmalerei und gibt auch dem bäuerlichen Kunsthandwerk seinen Platz. Zwei bedeutenden Persönlichkeiten widmen sich Museen in Heiden und Teufen. Heiden ehrt Henry Dunant, den Gründer des Roten Kreuzes, in seinem langjährigen Wohnhaus, dem ehemaligen Bezirksspital. Und in Teufen wird in der Grubenmann-Sammlung Leben und Werk der bedeutendsten Appenzeller Holzbaumeisterfamilie präsentiert. Die Geschichte
der bedeutendsten Ausserrhoder Textilhandelsfamilie, der Familie Zellweger, ist in den Räumen der Kantonsbibliothek und den Bauten am Landsgemeindeplatz Trogen dokumentiert. Das «Zentrum für appenzellische Volksmusik» im innerrhodischen Gonten ist eine Dokumentationsstelle für Appenzeller Musik und wird von beiden Appenzell getragen.

Das kulturelle Leben in den Dörfern wird durch einmannigfaltiges Vereinsleben bereichert. Daneben finden sich vielerorts Gruppen von engagierten Einwohnerinnen und Einwohnern, die regelmässig Veranstaltungen aus dem weiten Bereich der Kleinkunst organisieren und so die kulturelle Vielfalt zusätzlich fördern. Auch wer grosse Events schätzt, kommt nicht zu kurz: Im Casino in Herisau stehen immer wieder Topacts auf der Bühne und ziehen neben dem einheimischen Publikum auch Interessierte aus der weiteren Umgebung an.

Zeitgenössische Kultur

In Appenzell Ausserrhoden hat neben der traditionellen Kultur immer auch das aktuelle Kulturschaffen gebührende Beachtung gefunden. Seit 2008 verleiht der Kanton einen Kulturpreis. Die Ausserrhodische Kulturstiftung spricht jährlich Werk- und Förderbeiträge. Das Spektrum der unterstützten jungen Künstlerinnen und Künstler umfasst die Sparten
Musik, Literatur, Bildende Kunst, Architektur sowie Theater, Foto, Film, Tanz und Angewandte Kunst.

Die Appenzeller Volksmusik hat ihr Potenzial zum Überschreiten der eigenen Spartengrenze längst entdeckt. Die Anfänge reichen in die 1970er-Jahre zurück mit Infrasteff Signer und den «Appenzeller Space Schöttl» mit Töbi Tobler und Ficht Tanner. Später setzten die Experimente der Violinisten Paul Giger und Noldi Alder Akzente, letzterer aus der Urnäscher Streichmusikdynastie der «Aldere».

Klein, aber vielstimmig.

«Wenn ich Landammann wäre, würde ich alle Einwohner auf eine Velotour einladen.»

Bild Kultur und Tradition Appenzell Ausserrhoden

Basil, 10 Jahre, am Landsgemeindeplatz in Trogen

Weiterführende Informationen

www.ar.ch/kulturfoerderung
www.ar.ch/kantonsbibliothek
www.ar.ch/staatsarchiv
www.zentrum-appenzellermusik.ch
www.appenzellkulturell.ch
www.obacht.ch

Beide sind präsent und lebendig: Traditionelles und aktuelles Kulturschaffen.