Appenzell Ausserrhoden

Altersdurchmischtes Lernen / Basisstufe

Bild Kinder bauen einen Turm aus Kartonschachteln

Das Konzept "Altersdurchmischtes Lernens" als adäquate pädagogische Antwort auf die Vielfalt der Schüler- und Schülerinnen an unseren Schulen bietet die Möglichkeit, Erreichtes der Integrativen Schulform konsequent weiterzuentwickeln. Anderseits kann mit der Altersmischung auf den Schülerrückgang im Kanton reagiert und somit der Erhalt von kleinen Schulen in garantiert werden.  

Projektskizze "Altersdurchmischtes Lernen"

Bild Altersdurchmischte Lerngruppe

Ausgangslage im Kanton

Seit einiger Zeit beschäftigt sich das Departement Bildung mit dem Konzept "Altersdurchmischtes Lernen" als mögliche Schulform auch für Schulen im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Denn zu den zentralen aktuellen Herausforderungen im Bereich der Volksschule zählen nach unserer Einschätzung u. a. die Bewältigung des Umgangs mit der Heterogenität sowie das Reagieren auf die Bevölkerungsentwicklung - beides Themen, die uns aktuell stark beschäftigen.

Im Modell der Integrativen Schulform (ISF), in den kooperativen und integrativen Modellen der Sekundarstufe I, im Schulversuch Basisstufe der EDK-Ost sowie in der Unterrichtsentwicklung in Richtung vermehrte Binnendifferenzierung stehen bereits pädagogische Konzepte zur Verfügung, welche versuchen, den Umgang mit den unterschiedlichen Lernvoraussetzungen in den Schulen adäquat zu gestalten. Ein Blick auf die Statistik der Früheinschulungen, der Klassenrepetitionen und zum Überspringen von Klassen zeigt jedoch, dass die Schule mit dem System der Jahrgangsklassen trotz vielfältiger Differenzierungsmassnahmen an Grenzen stösst.

Das Bundesamt für Statistik prognostiziert für die Volksschule und die öffentlichen Schulen der Schweiz zwischen 2003 und 2012 einen Rückgang der Schülerzahlen von 10%, wobei in verschiedenen Kantonen der Ostschweiz mit einem Rückgang von über 20% gerechnet werden muss. Kleinere Schulen werden von der Bevölkerungsentwicklung stärker betroffen sein als grössere, geht es doch für sie um die Frage, ob und wie sie ihre Schulen als "identitätsstiftende Institution" im Dorf erhalten können.

Von Schulbehörden und Schulleitungen wird gefordert, möglichst rasch und flexibel auf die veränderte Situation zu reagieren. Dies stellt kein leichtes Unterfangen dar, denn die bisherigen Organisationsmodelle der Volksschule AR lassen eher wenig Spielraum offen, um innerhalb der bestehenden Rahmenbedingungen den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten.

Es ist vereinzelt mit Schülerzahlen zu rechnen, die weder die Bildung pädagogisch sinnvoller noch politisch vertretbare Klassenzüge zulassen.

Aus diesem Grunde werden im Departement Bildung Erfahrungen aus dem EDK-Ost Projekt Basisstufe, Erkenntnisse im Bereich des "Altersdurchmischten Lernens" aus den Erziehungswissenschaften aber auch Erfahrungen dazu in anderen Kantonen der Schweiz aufmerksam beobachtet, um gesammeltes Wissen in die Überlegungen einzubeziehen zu können.

Bildungspolitische und strategische Zielsetzungen

Altersdurchmischtes Lernen als Weiterentwicklung der Basisstufe

Das Departement Bildung hat im Vorfeld zum Schulversuch Basisstufe der EDK-Ost intensiv nach Schulen gesucht, welche sich am Projekt beteiligen wollten. Aus verschiedenen Gründen haben sich keine Schulen für eine Beteiligung gemeldet. Als einer der Gründe kann sicher die noch offene Frage zum Übergang von der Basisstufe in die abnehmende Stufe der Primarschule gesehen werden. Die Ausdehnung des "Altersdurchmischten Lernens" auf die abnehmenden Stufen der Primarschule könnte die Fortsetzung verschiedener Elemente der Basisstufe in der Organisationsform der Altersmischung garantieren, was eine Entschärfung der Schnittstellenproblematik zur Folge hätte. Aus diesem Grunde ist das Departement Bildung daran interessiert, im Kanton Appenzell Ausserrhoden zwei bis drei Projekte zum "Altersdurchmischten Lernen" im Sinne einer "Differenzierten Gesamtschule&" zu begleiten und zu evaluieren. Die daraus gewonnen Erkenntnisse werden Aufschluss darüber geben, wie auf den Schülerrückgang mit sinnvollen pädagogischen Konzepten reagiert werden kann. Zwar werden zum jetzigen Zeitpunkt in einzelnen Schulen bereits Klassenzüge von zwei und drei Jahrgängen geführt. Diese basieren jedoch meistens auf einem organisatorischen Prinzip und unterscheiden sich in ihrer pädagogischen und strukturellen Ausrichtung nur gering von der traditionellen Jahrgangsklasse.

Pädagogische und Strukturelle Zielsetzungen des "Altersdurchmischten Lernens"

Das Modell des "Altersdurchmischten Lernens" stellt sich der pädagogischen Herausforderung der Heterogenität der Lernenden in den Schulklassen, indem sie ihr durch die Auflösung der Jahrgangsklasse bewusst begegnet und die aus der Verschiedenheit entstehenden Lerngelegenheiten vielfältig nutzt. Dabei dienen Forschungsergebnisse aus den Erziehungswissenschaften als Ausgangslage für die Nutzbarmachung der unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler.

Im Projekt "Altersdurchmischtes Lernen" geht es dabei um folgende Zielsetzungen:

  • Bewusste Mischung unterschiedlicher Jahrgänge in einer Lerngruppe (Klasse) (Heterogenität als Motor des Lernens)
  • Nutzbarmachung der unterschiedlichen Lernvoraussetzungen
  • Gezielte Förderung unterschiedlicher Entwicklungs- und Begabungsvoraussetzungen (Integration und Begabtenförderung)
  • Anwendung methodisch, didaktischer Prinzipien und pädagogischer Grundlagen altersgemischten Lehrens und Lernens
  • Offene Stundenplangestaltung (Aufbrechen des Lektionenprinzips)
  • Erprobung neuer Formen der Zusammenarbeit
  • Flexibilität der Durchlaufzeit der Volkschule
  • Konsequente Blockzeiten
  • Möglichkeit einer Ausdehnung auf Tagesstrukturen

Rahmenbedingungen

Die Rahmenbedingungen orientieren sich während der Projektphase einerseits an den gesetzlichen Grundlagen des Kantons Appenzell Ausserrhoden, andererseits an den Weisungen zur Schüler- und Schülerinnenbeurteilung sowie am kantonalen Lehrplan.

Die Rahmenbedingungen, insbesondere die Auswirkungen der Flexibilisierung auf den Übertritt in die nächstfolgende Stufe, Klassengrössen, Pensen der Lernenden, Blockzeiten, die Pensen der Lehrpersonen sowie die Heilpädagogische Unterstützung müssen in einem Detailkonzept noch konkretisiert und differenziert festgelegt werden.