Öl auf Leinwand
Die Gemäldesammlung der Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden beherbergt zahlreiche Ölporträts – Angehörige der Zellwegerfamilie, aber auch allerlei Bekannte und Unbekannte aus dem Appenzellerland, Ärzte, Forscher, Landammänner und so weiter. Die Porträts geben Einblick in eine Zeit, in der Trogen in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht ein Zentrum darstellte. Die unterschiedliche historische Faktenlage wird als Ausgangspunkt für fiktionale Exkurse genutzt. Die eingeladenen Autorinnen und Musiker lesen und tragen ihre Texte und Kompositionen zu ausgewählten Porträts vor.
«Öl auf Leinwand» bietet über Text, Bild und Ton einen unmittelbaren, assoziativen Zugang zum 18. und beginnenden 19. Jahrhundert. Geschichte lebt mit den Menschen, die sie erleben, Geschichte verwandelt sich in Geschichten, Geschichten konstituieren Geschichte, wann immer erzählt und zugehört wird.
Öl auf Leinwand
Fakten und Fiktionen III
«Sammlung und Repräsentation»
Texte und Musik von Tobias Preisig, Ruth Schweikert, David Signer und Peter Weber
Einführung von Karin Bucher und Matthias Kuhn
Anschliessend Buchvernissage «Die Mona Lisa von Trogen» (Appenzeller Verlag, Herisau) und Apéro
17. September 2010, 20 Uhr
Obergerichtssaal, Rathaus,Download und öffnen von jpg 59 KB Landsgemeindeplatz 2, Trogen
Einladungskarte als PDFDownload und öffnen von 100917_Einladung_Oel-auf-Leinwand.pdf
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Öl auf Leinwand
Fakten und Fiktionen II
«Lager und Archiv»
Texte und Musik von Kurt Bracharz, Andrea Kind, Tim Krohn und Anna Trauffer, Michael Stauffer und Matthias Weishaupt
Einführung von Karin Bucher und Matthias Kuhn
4. Juni 2010, 20 Uhr
Bilderlager und -archiv der Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden
Zivilschutzanlage Hinterdorf,Download und öffnen von jpg 59 KB Trogen
Einladungskarte als PDFDownload und öffnen von 100604_Einladung_Oel-auf-Leinwand.pdf
39 Fotos von Thomas Karrer (ZIP, 2 MB)Download und öffnen von zip 2.0 MB
Unten: Auswahl von neun Fotos, v.o.n.u.: Michael Stauffer, Kurt Bracharz, Tin Krohn und Anna Trauffer, Publikum mit Direktschaltung in den Archivraum, Matthias Kuhn und Karin Bucher, Andrea Kind, Matthias Weishaupt, Impressionen nach der Veranstaltung
Öl auf Leinwand
Fakten und Fiktionen I
Texte und Musik von Stefan Baumann, Heidi Eisenhut, Giuseppe Gracia, Bruno Pellandini und Sabine Wang
Rezitation von Jürgen Stenzel
Film von Thomas Karrer mit Rudolf Lutz und Karin Bucher
Einführung von Karin Bucher und Matthias Kuhn
Im Rahmen des 3. Trogener Bibliotheksgesprächs vom 10. – 13. Juni 2009
12. Juni 2009, 20 Uhr
Obergerichtssaal, Rathaus, Landsgemeindeplatz 2, Trogen
PRESSE
Appenzeller Zeitung. – Jg. 182, Nr. 136 (15. Juni 2009), S. 37 [jpg]Download und öffnen von jpg 1.1 MB
Assoziativer Zugang zu Ölgemälden
Mit einer spannenden Publikumsveranstaltung des 3. Trogener Bibliotheksgesprächs kann der interdisziplinäre Ansatz der Tagung dokumentiert werden. Dichter, Musiker, Germanisten und Historiker nähern sich Bildern aus der Sammlung der Ausserrhoder Kantonsbibliothek an.
Hanspeter Strebel
Trogen. Die «Übungsanlage» war speziell an diesem Freitagabend im Obergerichtssaal des Zellwegerpalastes am Landsgemeindeplatz. Es galt aus verschiedenen Perspektiven und Disziplinen einen Zugang zu einzelnen, frei gewählten Porträtgemälden im 18. und beginnenden 19. Jahrhundert aus der gut bestückten Sammlung der Kantonsbibliothek zu finden und diesen dem Publikum im vollbesetzten ehemaligen zellweger'schen Fest- und Bibliothekssaal zu präsentieren. Damit sollte aus Geschichten Geschichte werden (siehe wörtlich).
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Empfangen wurden die Besucher beim langen Aufgang in den Festsaal des gewaltigen Steinpalastes von einem Orgelkonzert mit zeitgenössischen Stücken. Bespielt wurde die heute im Museum Heiden stehende Hausorgel vom St. Galler Musiker und Dozenten Rudolf Lutz. Doch nicht wirklich: Mit der Videoinstallation von Thomas Karrer gelang es, ein weiteres Medium in die Veranstaltung einzubringen. [Abb. 1]Download und öffnen von jpg 46 KB
Porträts als Zeitzeugnisse
Zusammen mit Kantonsbibliothekarin und Tagungsleiterin Heidi Eisenhut vorbereitet, eingeleitet und moderiert wurde der Abend von der Szenografin Karin Bucher und vom Künstler Matthias Kuhn, der auf die kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung Trogens im 18. Jahrhundert hinwies, die bis heute Spuren hinterlassen hat. [Abb. 2]Download und öffnen von jpg 71 KB Dazu gehören auch die verschiedensten Porträts von Zeitgenossen, die die Kantonsbibliothek noch immer hütet und die für einmal im Zentrum einer Veranstaltung standen, die das am Wochenende beendete 3. Trogener Bibliotheksgespräch eher populär abrundeten. Nicht Wissenschafter waren geladen, sondern Autoren und Musiker, sich einem von ihnen ausgewählten Porträt mit ihren «Waffen» zu nähern.
Den Anfang machte kenntnisreich «Hausherrin» Heidi Eisenhut, die hinter die Beziehung des in der Gemäldesammlung vertretenen «Kriegstreibers» und Preussenkönigs Friedrich II. und des äusserst gut vernetzten Arztes und Multitalents Laurenz Zellweger (dessen Porträt an der Stirnwand des Raums den Anlass überwachte) zu leuchten versuchte. Dabei rückte sie auch Falschinterpretationen zurecht, Visionen und Fiktionen der beteiligten Akteure und späteren Deuter liess sie aber ihren Platz. [Abb. 3]Download und öffnen von jpg 69 KB
Eigenwillige Zugänge
Literarisch näherten sich mit je ganz unterschiedlichen Ansätzen die Literatinnen und Literaten Sabine Wang, Bruno Pellandini und Giuseppe Garcia ihren «Gemäldeopfern» an. Sabine Wang war dabei mit ihrem sensiblen und scharfsichtigen Text zur Grossmutter der Palasterbauerin Anna Barbara Zellweger-Zuberbühler am nächsten beim Bild, dessen Darstellerin mit dem omnipräsenten Blick sie den Titel «Mona Lisa von Trogen» verlieh. [Abb. 4]Download und öffnen von jpg 80 KB
Bruno Pellandini versuchte mit viel Phantasie, Witz und Augenzwinkern die «Mutter mit Kind», von der man nichts weiss, zum Leben zu erwecken und so etwas wie ein Happy End für eine verschupfte, wenig attraktive Frau mit Klumpfuss herbeizuführen. [Abb. 5]Download und öffnen von jpg 76 KB Guiseppe Garcia schilderte mit nochmals anderem Stil die Hintergründe, weshalb der vielseitige Wissenschafter und Palästinaforscher Titus Tobler [Abb. 6]Download und öffnen von jpg 94 KB, ein Regenerationspolitiker mit ultrademokratischen Ideen, von seinem Porträtisten Carl Gonzenbach ohne den legendären Wanderstab ins Bild gerückt wurde. [Abb. 7]Download und öffnen von jpg 89 KB
Interventionen von oben
Zwischen den Lesungen meldete sich immer wieder der auf der Balustrade die Szene überblickende Hamburger Literaturprofessor Jürgen Stenzel mit Auszügen aus den heute kaum mehr nachvollziehbaren physiognomischen Fragmenten von Johann Caspar Lavater und seinem Parodisten Georg Christoph Lichtenberg, besonders erheiternd dessen Interpretationen von (Haar-)Schwänzen. [Abb. 8]Download und öffnen von jpg 73 KB Wohltuend im notgedrungen textlastigen Anlass wirkte auch das betörende Cellospiel von Stefan Baumann als musikalischer Zugang zum Thema «Öl auf Leinwand». [Abb. 9]Download und öffnen von jpg 91 KB Alles in allem ein eigenwilliger, intelligenter, auch anspruchsvoller Kulturanlass an dem Akteure wie Publikum sichtlich Gefallen fanden. [Abb. 10]Download und öffnen von jpg 83 KB
WÖRTLICH
Geschichte(n)
«Geschichte lebt mit den Menschen, die sie erleben, Geschichte verwandelt sich in Geschichten, Geschichten konstituieren Geschichte, wann immer erzählt und zugehört wird.
So entsteht am Schluss das umfassende Geschichtsbuch, natürlich eigentlich ein Geschichtenbuch – das schlicht heissen wird «Eine umfassende Geschichte der Welt» – aus Transkriptionen von Gesprächen und Erzählungen, Romanen, Tatsachenberichten, aus allen möglichen Biografien, aus Audio- und Videoaufnahmen, aus Filmen, aus Büchern und Heften, aus sehr vielen Bildern natürlich, Gemälden und Fotografien, und so weiter.
Es geht damit letztlich um einen ganz bestimmten Geschichtsbegriff, der Geschichte nicht als ein Kontinuum von Daten und Taten sieht, sondern als ein Bild, das vom einzelnen ausgehend, in kleinen, persönlichen Schritten nicht die Vergangenheit der Welt nacherzählt, sondern ein neues, im allerweitesten Sinn ein interdisziplinäres Weltbild liefert. Geschichte entsteht so in einer Dichte von Fakten und Fiktionen, von Artefakten und Visionen, von Erzähltem und also Gehörtem, von Erlebtem und Erträumten, von Vergangenem, Gegenwärtigen und natürlich Zukünftigen.»
Matthias Kuhn in seiner Einführung in die Veranstaltung Öl auf Leinwand
Bilder: Copyright © Thomas Karrer, Trogen
Text: Copyright © St.Galler Tagblatt AG













