Gefragt: 20 Jahre Care-Team beider Appenzell

Das Einsatzleiterteam zusammen mit seinen politischen Chefs (v.l.): Christian Schmid, Markus Hauser, Landammann AR Alfred Stricker, Samuel Signer, Corina Bandelli, Landammann AI Roland Inauen, Claudia Knöpfel, Landesfähnrich Jakob Signer, Albert Elmiger und Hansueli Reutegger, Vorsteher Departement Inneres und Sicherheit AR. Foto: z.V.g. / Patrik Willi

Betreuung von Opfern und ihren Angehörigen? Debriefings von Einsatzkräften nach schwierigen Missionen? Das Care-Team AR/AI leistet in solchen Fällen rasch und unkompliziert Hilfe. Am vergangenen Freitag wurde in Herisau das 20jährige Bestehen dieser Organisation gewürdigt.

Das Care-Team ist bei den Einsatzorganisationen des Appenzellerlands, aber auch weit über diese Kantonsgrenzen hinaus zu einem Begriff geworden. Es wird immer dann gerufen, wenn bei einem ausserordentlichen Ereignis - beispielsweise bei einem Suizid oder einem schweren Unfall - Betroffene in ihren schweren Stunden fachkundige Begleitung und Stütze brauchen. Das Team ist im Verlauf der Jahre zu einem bestens qualifizierten und etablierten Mitglied des Bevölkerungsschutzes beider Appenzell geworden. In diesem Jahr ist es von der Kantonalen Notrufzentrale Herisau bereits in 12 Fällen aufgeboten worden. Im Vorjahr leistete es 19 Ein-sätze. Aufgeschlüsselt in der statistischen Fachsprache umfasste dies: 7 Suizide, 10 Aussergewöhnliche Todesfälle, 2 Unfälle mit Todesfolge.

Dank von höchster Stelle

Die Gästeliste der Jubiläumsfeier am Freitag in der Herisauer Stuhlfabrik wurde vom Ausserrhoder Landammann Alfred Stricker und dem regierenden Innerrhoder Landammann Roland Inauen angeführt. Ihre Präsenz und ihr Dank, verpackt in einem Live-Interview, unterstrichen die Bedeutung des Teams im Sicherheitsgefüge der beiden Kantone. Festredner war der international bekannte Vorarlberger Notfallpsychologe Prof. Dr. Gernot Brauchle. Es sei "eine beeindruckende Kompetenz und besondere Kunst", ein solches Team auf die Beine zu stellen, sagte er. "Sie haben hier ein sehr erfolgreiches Care-Team, das ausgezeichnet geführt und vernetzt ist." Der mittlerweile pensionierte, langjährige Leiter des Care-Teams Georg Schmidt führte mit einer Chronik durch die Geschichte der Organisation, die er wesentlich geprägt hatte. Schliesslich wurden die derzeit aktiven Mitglieder vorgestellt. Musikalisch begleitet wurde die Jubiläumsfeier von der Kapelle "rond om dä Säntis" mit Werner Alder, Maya Stieger und Peter Loser.

Schwere Vorfälle gaben den Anstoss

Vor 20 Jahren wurde das Team unter der Bezeichnung "Psychologische Erste Hilfe AR" ins Leben gerufen. Tragische Ereignisse - ein tödlicher Feuerwehreinsatz, Familientragödien, Zugsunglück, schwere Verkehrsunfälle - hatten den Anstoss gegeben. Betreuungsfachleute aus der damaligen Zivilschutzorganisation Herisau regten die Gründung einer Organisation für psychologische Erste Hilfe in solchen Fällen an. Der Faden wurde vom Kantonalen Führungsstab aufgenommen, es entstand ein Einsatzkonzept. Dieses wurde im Juni 1999 vom Ausserrhoder Regierungsrat genehmigt. Im gleichen Jahr wurden die ersten zwölf Betreuerinnen und Betreuer ausgebildet, die dann schon im Herbst drei Unterstützungseinsätze leisteten. Im Februar 2000 wurde die Organisation der Öffentlichkeit vorgestellt. Bald darauf beteiligte sich der Kanton Appenzell Innerrhoden an der Trägerschaft, und es folgte eine Umbenennung in Care-Team AR/AI.

Bewusst wurde damals auf den ausschliesslichen Einsatz von professionellem Psychiatriepersonal verzichtet. Das Betreuungsangebot sollte niederschwellig sein, die Angehörigen der Gruppe rekrutierten sich aus unterschiedlichen Berufen mit sozialer Prägung. Diesem Grundsatz ist das Team bis heute mit Erfolg treu geblieben. Die Palette der Berufe erweiterte sich schnell, wichtig wurde ein gut ausgeprägtes soziales Bewusstsein der Teammitglieder.

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Seriöse Ausbildung

Dem Care-Team gehören derzeit 20 Mitglieder an, davon 3 Einsatzleiter auf Pikett. Alle  werden an zwei dreitägigen Kursen in Winterthur von national anerkannten Fachleuten ausgebildet. Pro Jahr müssen 4 Weiterbildungsanlässe besucht werden, dazu kommen ein obligatorischer Weiterbildungstag in Sursee und eine freiwillige Teilnahme an den Internationalen Kriseninterventionstagen in Innsbruck. Nach jedem Einsatz erfolgt eine intensive Nachbesprechung mit dem ganzen Team. Zudem beteiligt sich das Care-Team regelmässig an den Übungen des Ausserrhoder Bevölkerungsschutzes.

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