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Übersicht

Ziele des Gewässerschutzes

Das Wasser gehört zu unseren wichtigsten Ressourcen. Schon vor vielen Jahrzehnten wurden daher mit dem Bau von Kanalisationen und Kläranlagen in grösserem Umfang Anstrengungen zum Schutz des Wassers bzw. der Gewässer unternommen. Der Gewässerschutz ist derjenige Bereich im Umweltschutz mit der ältesten Geschichte und in der Regel auch mit der grössten Akzeptanz bei der Bevölkerung.

Die Aufgaben des Gewässerschutzes haben sich im Laufe der Jahrzehnte jedoch gewandelt und erweitert. Heute bedeutet Gewässerschutz nicht mehr nur den Schutz der Gewässer vor Verschmutzung - auch wenn diesem Aspekt nach wie vor eine wichtige Bedeutung zukommt. Zusätzlich soll jedoch auch der gesamte Lebensraum Gewässer mit all seinen natürlichen Einflussfaktoren erhalten resp. verbessert werden. So zielt das revidierte Gewässerschutzgesetz von 1991 neben dem qualitativen Schutz auch auf einen besseren Schutz des Grundwassers, schützt die Fliessgewässer vor Eindolungen und Verbauungen und fördert Offenlegungen und Renaturierungen, verstärkt den Gewässerschutz in der Landwirtschaft, stellt bei Wasserentnahmen angemessene Restwassermengen sicher und fördert die Trennung des verschmutzten vom nicht verschmutzten Abwasser sowie die Versickerung.

In einer weiteren Revision wurden 1997 zudem das Verursacherprinzip ins Gesetz aufgenommen und in der Folge die Subventionszahlungen an Abwasseranlagen weitgehend gestrichen.

Die Ausführungsbestimmungen zum Gewässerschutzgesetz traten mit der neuen Gewässerschutzverordnung am 1. Januar 1999 in Kraft. Bedeutung werden hier unter anderem dem Prinzip der Eigenverantwortung und -kontrolle und der Einhaltung des Standes der Technik in Industriebetrieben beigemessen. Dieselben Grundsätze haben auch in die revidierte Verordnung über den Schutz der Gewässer vor wassergefährdenden Flüssigkeiten Eingang gefunden.

Zustand der Gewässer im Kanton Appenzell A.Rh., Handlungsbedarf und Ausblick

Der Zustand der grösseren Ausserrhoder Gewässer wird vom Amt für Umweltschutz alle fünf Jahre im Rahmen einer umfangreichen chemischen und biologischen Untersuchung kontrolliert, die Resultate veröffentlicht. Weiter wird eine Anzahl Probenahmestellen in Zusammenarbeit mit den kommunalen Kläranlagen monatlich auf wenige, ausgewählte Parameter analysiert. Im Falle von Sitter und Glatt bestehen überdies spezielle, mit den Nachbarkantonen koordinierte Untersuchungskonzepte. Während der Sommermonate werden - in Zusammenarbeit mit dem kantonalen Labor - beliebte Flussbadeplätze auf ihre hygienische Qualität kontrolliert und die Ergebnisse in den Medien bekanntgegeben. Der Zustand der Flüsse und Bäche im Kanton Appenzell A.Rh. kann allgemein als zufriedenstellend bis gut bezeichnet werden.

Wesentlich dazu beigetragen hat der umfangreiche Ausbau der Ausserrhoder Kläranlagen in der letzten Dekade. Die erreichte hohe Reinigungsleistung ermöglicht es, dass - von wenigen Ausnahmen abgesehen - die gesetzlichen Anforderungen an die Wasserqualität auch an empfindlichen Gewässern gut eingehalten werden können. Die im Rahmen der Umsetzung der kommunalen Generellen Entwässerungspläne (GEP) anstehenden Anpassungen der Entwässerungskonzepte und Optimierungen der Kanalisationsnetze tragen zu einer weiteren Reduktion der in die Gewässer gelangenden Schmutzfrachten bei.

Für die grenzüberschreitenden Gewässer Glatt und Sitter wurden - auch als Folge der z.T. starken Belastungen - interkantonale Kommissionen ins Leben gerufen. Diese kümmern sich gezielt um die Verbesserung der Wasserqualität der beiden Gewässer resp. der Zuflüsse.

Demgegenüber kennt Appenzell A.Rh. noch keine systematische Überwachung des Grundwassers. Die zur Verfügung stehenden Daten beschränken sich auf die bei den Wasserversorgungen vorhandenen Analysen des Rohwassers.

Als Folge der zunehmenden Ökologisierung der Landwirtschaft, die heute mit dem ökologischen Leistungsnachweis für Landwirtschaftsbetriebe gesetzlich verlangt wird, erhofft man sich auch aus der Landwirtschaft einen Rückgang des Nährstoffeintrages in die Gewässer. Fallweise wurde durch die Forderung nach einer ausgeglichenen Düngebilanz eine Reduktion der Düngebelastung auf einzelnen Betrieben erreicht. Von erheblicher Bedeutung ist aber auch der bedarfsgerechte, sorgfältige Austrag von Hofdünger und die Beachtung von Düngeabständen zu Gewässern und Entwässerungsanlagen. Noch ungelöst ist das Problem der im Appenzellerland häufigen Drainagen in landwirtschaftlichen Nutzflächen. Diese wirken - schon bei mässiger Beaufschlagung mit Dünger - wie Verlängerungen der Gewässer und führen zu unnötigen Gewässerbelastungen.

Viele Fliessgewässer im Kanton Appenzell A.Rh. sind in den Quellgebieten und in den tief eingeschnittenen Flusstälern immer noch über weite Strecken als naturnahe Lebensräume erhalten geblieben. Im Landwirtschafts- und im Siedlungsgebiet dagegen wurden in den vergangenen 80 Jahren viele Kleingewässer eingedolt, grössere Bäche zum Schutz vor Überschwemmungen hart verbaut und befestigt. Obwohl bereits seit rund 10 Jahren seitens des Kantons Anstrengungen für Renaturierungen und Offenlegungen unternommen werden, bleibt noch viel zu tun.

Probleme mit der hygienischen Wasserqualität können an Flussabschnitten mit hohem Anteil an gereinigtem Abwasser auftreten, sodass insbesondere Stellen unterhalb von Kläranlagen zum Baden nicht geeignet sind. Ursache ist die immer noch hohe Keimzahl von gereinigtem Abwasser, welche für das Gewässer unproblematisch ist, beim Menschen jedoch unter Umständen zu Durchfallerkrankungen führen kann. Grundsätzlich ist daher beim Bad in Flüssen zu empfehlen, kein Wasser zu schlucken und sich gut abzutrocknen resp. - wo möglich - nach dem Bad zu duschen.

Der geschätzte Wiederbeschaffungswert der im Kanton Appenzell A.Rh. erstellten Gewässerschutzanlagen beläuft sich auf ca. 400 Millionen Franken. Der durchschnittliche Anschlussgrad liegt bei über 95 %. Der erreichte Stand ist nun durch geeignete Kontrollen der Anlagen und Gewässer zu überwachen und bei Bedarf durch gezielte Massnahmen weiter zu verbessern. Insbesondere muss durch vorausschauende Planung auch der fachgerechte Unterhalt der Bauten und Anlagen und die entsprechende Finanzierung gewährleistet werden.

Zusätzlich von grosser Bedeutung für einen gesamtheitlichen und nachhaltigen Schutz unserer Gewässer sind daneben Massnahmen zur Vermeidung von Einträgen schädlicher und nicht abbaubarer Stoffe und zur Aufwertung der Lebensräume in und an den Gewässern.

Weiterführende Literatur, Arbeitsgrundlagen, Hilfsmittel:

  • Ein guter Überblick über den "Gewässerschutz in der Schweiz" ist auf der Homepage des BAFU zu finden.

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