Historisches

Die im Jahre 1896 vom Kanton Appenzell Ausserrhoden zum Zwecke der Gründung einer Kantonsbibliothek übernommene Gemeindebibliothek Trogen setzte sich damals zur Hauptsache aus den Beständen der Appenzellisch-Vaterländischen Gesellschaft sowie den Privatbibliotheken von Johann Conrad Honnerlag (1777–1838), Johann Jakob Frei (1789–1852) und Johann Caspar Zellweger-Gessner (1768–1855) zusammen. Die Gründungsgeschichte der KBAR, die dieser Übernahme vorausging und fast siebzig Jahre dauerte, spiegelt den von Spätaufklärung und Liberalismus geprägten privaten Einsatz patriotisch gesinnter Bürger für das allgemeine Wohl, für verbesserte Bildung und für Erziehung wider. Die (volks-)aufklärerisch motivierten Sammler legten die Schwerpunkte auf appenzellische Publikationen und auf Profandisziplinen wie Vaterlandskunde, Allgemeine Geschichte, Geographie mit zahlreichen Reiseberichten sowie schöne Literatur und weniger auf religiös-theologisches Wissen.

V.l.n.r.: Das «Gründertriumvirat» Johann Caspar Zellweger-Gessner (1768–1855), Johann Conrad Honnerlag (1777-1838) und Dekan Johann Jakob Frei (1789–1852)

Portraitzeichnung von Johann-Caspar Zellweger
Portraitzeichnung von Johann-Conrad Honnerlag
Portraitzeichnung von Dekan Frei

Der Bücher- und Handschriftenbestand von 1896, bestehend aus gegen 20 000 Titeln, enthielt auch den Grundstock des bis heute laufend erweiterten Archivs der Textilhandelsfamilie Zellweger mit Manuskripten, Briefsammlungen, Ölgemälden und Objekten sowie die 1834 von Honnerlag direkt aus Paris erworbene «Description de l’Égypte» mit 900 grossformatigen Bildtafeln. 1957 konnten mit der Privatbibliothek des Büchersammlers Carl Meyer einzigartige Handschriften und 82 Inkunabeln übernommen werden. 2009 bis 2014 wurde der Nachlass der Psychosophischen Gesellschaft mit Sitz in Stein AR unter dem Namen «Collectio Magica et Occulta (CMO)» in die KBAR integriert. Diese Übernahme stand bereits unter dem bis heute gültigen Vorzeichen, noch stärker als bis anhin die Vielfalt der Lebens- und Schaffensweisen im Kanton Appenzell Ausserrhoden zu dokumentieren. Verschiedene weitere Sammlungen – darunter diejenigen des Mail-Artisten und Konzeptkünstlers H.R. Fricker, der Frauenrechtlerin Elisabeth Pletscher, des Musikers und Highmatt-Dichters Stefan Signer, des Tätowierers Herbert Hoffmann, des Büchersammlers Erwin Helmut Geldmacher, des Fotografen Herbert Maeder und des germanischen Philologen Stefan Sonderegger – sind in den letzten 20 Jahren dazugekommen. Über 60 Bestände von Familien, Persönlichkeiten und Institutionen zählt die KBAR aktuell.

Im Online-Katalog für Handschriften, Archive und Nachlässe (HAN) waren per Ende 2017 insgesamt 16'314 Datensätze erfasst und im Online-Katalog für publizierte Medien (SGBN) 121'435 Exemplare, darunter 24'416 Bilder sowie die Bücher des Staatsarchivs in Herisau (3'716), der Bibliothek Andreas Züst im Alpenhof auf dem St. Anton bei Oberegg (10'750) und der Historischen Bibliothek Herisau (672). Seit 2009 wird die kantonale Kunstsammlung mit gut 2'200 Werken vom Amt für Kultur betreut und ergänzt. Die KBAR regelt die Digitalisierung, Erschliessung und den Verleih. Auf den Servern der Kantonsbibliothek werden 11,2 Terabyte Daten gepflegt.

Titelblatt Appenzeller Kalender
Titelblatt Appenzeller Kalender 1722, ältestes noch laufendes Periodikum

1825 hatte Honnerlag der Gemeinde Trogen das heutige Gemeindehaus mit der Auflage, dort Platz für ca. 10'000 Bücher zu reservieren, geschenkt. Bis heute ist die KBAR im dritten Obergeschoss dieses Gebäudes am Landsgemeindeplatz 1 domiziliert. Seit 1998 sind Ausleihe, Lesesaal und weitere Magazine im Fünfeckpalast am Landsgemeindeplatz 7 untergebracht, und seit 2009 nutzt die KBAR die ehemalige Zivilschutzanlage Hinterdorf als Archivraum. Seit 2014 ist die Zellweger-Wohnung im Fünfeckpalast für Führungen zugänglich, und die Dauerausstellung «Jahrhundert der Zellweger» bietet die Möglichkeit, das Gemeindehaus individuell zu entdecken.

Literatur zur Bibliotheksgeschichte

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    Kantonsbibliothek

    • Landsgemeindeplatz 7
    • 9043 Trogen
    • T: 071 343 64 21
    • Öffnungszeiten
    • Montag bis Freitag
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      oder nach Vereinbarung