Hauptinhalt

Fachstelle Kindesschutz und Kinderschutzgruppe

Die Fachstelle Kindesschutz bietet in Fragen des Kindesschutzes eine erste Beratung und Unterstützung an.

Die interdisziplinäre Kinderschutzgruppe Appenzell Ausserrhoden berät vor allem Personen, die mit Kindern und Jugendlichen beruflich oder ehrenamtlich in Beziehung stehen.

Unsere Grundsätze

Das Kindeswohl ist ein wichtiges und verpflichtendes Gut in der Gesellschaft. Es ist dann gewährleistet, wenn ein Kind materiell, gesundheitlich, bildungsmässig und emotional genügend versorgt ist. Kindeswohl ist der Inbegriff der begünstigenden Lebensumstände, die einem Kind zu einer guten und gesunden Entwicklung verhelfen.

Eine Verletzung des Kindeswohls bedeutet eine Einschränkung im Leben eines Kindes, welche sich negativ auf seine Entwicklung auswirkt. Diese Verletzung kann ein einmaliges traumatisierendes Ereignis oder eine chronische Missachtung seiner Bedürfnisse sein. Nicht selten ist es schwierig zu beurteilen, ob eine Gefährdung vorliegt. 

Die Schweiz hat am 24. Februar 1997 die UNO-Kinderrechtskonvention ratifiziert. Das Übereinkommen über die Rechte des Kindes (KRK) betrifft drei Bereiche:

  • das Recht auf Schutz
  • das Recht auf Förderung
  • das Recht auf Mitwirkung

 Vier Rechte haben besondere Bedeutung:

  • das Diskriminierungsverbot (Artikel 2)
  • der Vorrang des Kindeswohls (Artikel 3)
  • das Recht auf Leben, Überleben und persönliche Entwicklung (Artikel 6)
  • das Recht auf Mitwirkung (Artikel 12)

Das Schweizerische Zivilgesetzbuch bietet keine Definition des Kindeswohls. Dieser unbestimmte Rechtsbegriff ist gesellschaftlichen Veränderungen unterworfen und kann deshalb in der Praxis auch mit unterschiedlichen Inhalten gefüllt werden. Das gilt vor allem für unsere wertepluralistische Gesellschaft, in welcher den Eltern ein grosser Ermessensspielraum gewährt wird, nach welchen ethischen oder religiösen Wertmassstäben sie ihre Kinder erziehen.

Beratungsangebot

Wir bieten telefonische und persönliche Beratung für Betroffene, Eltern und andere erziehende Personen, wenn ein Verdacht auf Gefährdung des Kindswohls vorliegt. Oft ist die Einschätzung einer Gefährdung im Alltag schwierig und löst im Umfeld Hilflosigkeit oder Überforderung aus. Wir unterstützen Sie in der Einschätzung der Gefährdung und geben eine unverbindliche Empfehlung für das weitere Vorgehen ab. Die Beratung ist kostenlos und kann anonym erfolgen. Wir unterstehen der Schweigepflicht.            

Kinderschutzgruppe

Auch für Fachpersonen, welche mit Kindern oder Jugendlichen arbeiten, ist es anspruchsvoll, das Ausmass einer Gefährdung einzuschätzen und das optimale Vorgehen zu wählen. Die kantonale Kinderschutzgruppe bietet hierzu eine interdisziplinäre Beratung an.

Dieses Angebot richtet sich ausschliesslich an Fachpersonen im Kinder– und Jugendbereich wie Lehrpersonen, Sozialarbeitende, Therapeutinnen, Ärzte, Jugendarbeiter, Sporttrainer etc.

Bei einem telefonischen Erstkontakt besprechen wir, ob sich die Fragestellung eignet, in der Kinderschutzgruppe behandelt zu werden und vereinbaren das weitere Vorgehen und den Termin der Sitzung.

Die Gruppe ist interdisziplinär zusammengesetzt und besteht aus neun Mitgliedern mit spezifischem Wissen in folgenden Disziplinen: Kinderpsychologie, Psychiatrie/Psychotherapie, Mütter-/ Väterberatung, KESB, Soziale Dienste, Polizei und Jugendanwaltschaft. Die Fachgruppe berät Sie bezüglich dem Ausmass der Gefährdung, bei der Planung des möglichen weiteren Vorgehens und allfälligem Einbezug von Institutionen oder Fachkräften. Die Gruppe interveniert nicht selber. Die Mitglieder stehen unter Schweigepflicht und sind allfälliger Meldepflicht enthoben. Die Fälle werden anonymisiert besprochen.   

Kontakt und Anmeldung

Liegt ein Verdacht auf Kindswohlgefährdung vor, gibt es mehrere Möglichkeiten zu reagieren:

Suchen Sie das Gespräch mit den Erziehungsberechtigten.

  • Eine Beratung bei unserer Stelle kann helfen, die Situation zu analysieren und mögliche weitere Schritte in die Wege zu leiten. Wir unterstehen der Schweigepflicht und leiten keine Massnahmen ein.
  • Eine Meldung bei der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) beauftragt diese, die Situation des Kindes zu untersuchen und allfällige Massnahmen zum Schutz des Kindes einzuleiten.

Für telefonische Beratungen, die Vereinbarung eines Gesprächstermins oder die Anmeldung für eine Beratung durch die Kinderschutzgruppe wenden Sie sich bitte an:

Margot Vogelsanger, Schulpsychologin
Waisenhausstr. 10, 9100 Herisau
+41 71 354 71 01, margot.vogelsanger@ar.ch

oder an das Sekretariat:

Susanne Frischknecht
Waisenhausstr. 10, 9100 Herisau
+41 71 354 71 11, susanne.frischknecht@ar.ch

Marianne Göldi
Waisenhausstr. 10, 9100 Herisau
+41 71 354 71 05, marianne.goeldi@ar.ch

Sollten Sie ausserhalb unserer Bürozeiten anrufen und benötigen dringend Unterstützung, dann verweisen wir auf folgende Telefonnummern, welche 24h erreichbar sind:

  • Kinder- und Jugendnotruf: Telefon: +41 71 243 77 77 
  • Telefonhilfe für Kinder und Jugendliche: Telefon 147
  • Die dargebotene Hand / Gesprächspartner für Menschen in Krisensituationen: Telefon: 143
  • Eltern-Hotline Tatkräftig: Telefon: +41 71 243 78 78
  • Polizei AR: Telefon 117

Häufige Fragen

Welche Merkmale können auf eine Gefährdung hinweisen?

Anhaltspunkte für einen Fall von Vernachlässigung, Misshandlung oder sexuellen Missbrauch können sich aus den verschiedensten Anzeichen ergeben. Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass insbesondere jüngere Kinder mitunter noch recht ungeschickt sind und sich bereits aus diesem Grund häufiger verletzen als ältere Kinder. Auch das Interesse an den Unterschieden zwischen den Geschlechtern oder „Doktorspiele“ sind durchaus „normal“. Immer wiederkehrende oder atypische Verletzungen oder nicht altersgemäße Bezugnahmen auf sexuelle Themen können indes „Warnsignale“ sein. Trotz der erforderlichen Zurückhaltung mit vorschnellen Einschätzungen können folgende Anhaltspunkte auf Vernachlässigung, Misshandlung oder sexuellen Missbrauch hindeuten: 

  • Unangemessen starke Angstreaktionen
  • Unangemessen intensive Schuldgefühle
  • Kontaktstörungen wie Abkapselung oder Distanzlosigkeit
  • mangelnde Körperhygiene, ungepflegtes Äußeres, verschmutzte Kleidung
  • Verletzungen wie Blutergüsse, Striemen, Verbrennungen, Verbrühungen, Verletzungen an den Genitalien, Bauch- und Unterleibsschmerzen
  • Intensive Beschäftigung mit den eigenen Geschlechtsteilen oder jenen von anderen Kindern
  • Spiele, Zeichnungen oder Erzählungen mit nicht altersgemässen sexuellen Bezügen

Muss einem Verdacht auf Gefährdung nachgegangen werden?

Kinder haben das Recht auf Schutz. Besteht ein Verdacht auf Gefährdung ist das Kind darauf angewiesen, dass Erwachsene für diesen Schutz einstehen. Wichtig ist aber ein sorgfältiger, überlegter Umgang mit Vermutungen. Wir unterstützen Sie gerne in diesem Prozess.

Was passiert, wenn ich eine vermutete Gefährdung bei der Fachstelle Kindesschutz melde?

Wir sind keine Meldestelle, sondern eine Beratungsstelle. Wir unterstützen Sie in der Einschätzung des Ausmasses der Gefährdung und im Planen der möglichen nächsten Schritte. Wir unterstehen der Schweigepflicht.

Wann muss ich eine Gefährdung bei der Polizei oder der KESB melden?

Besteht ein Verdacht auf unmittelbare Gefahr für das Kind oder auf eine Straftat, soll eine Meldung an die Polizei gemacht werden. Die Polizei hat die Möglichkeit bei einem Notfall unmittelbar einzugreifen und für ein Kind eine Notfallplatzierung vorzunehmen. Sie leitet ein Strafverfahren gegen mögliche Täter ein. Eine Meldung bei der KESB kann ebenso eine rasche Platzierung bewirken, jedoch keine unmittelbare. Für eine akute Intervention und eine Strafverfolgung schaltet sie die Polizei ein. 
Die KESB untersucht die Lebensumstände und spricht auch allein mit dem potentiellen Opfer. Im Anschluss kann sie Massnahmen empfehlen oder einleiten.

Was geschieht bei einer Meldung bei der Polizei?

Die Polizei ist zuständig für eine unmittelbare Gefahrenabwehr und die Strafverfolgung. Für eine Abklärung der Lebensumstände des Kindes erteilt sie der KESB einen Auftrag.

Was geschieht bei einer Meldung bei der KESB?

Bei einem akuten Fall wird die Verfahrensleitung selber Kontakt mit den Betroffenen aufnehmen und entscheiden, ob eine Notplatzierung gemacht werden soll etc. Liegt kein dringender Handlungsbedarf vor, wird die Sozialabklärung der KESB die Verhältnisse des Kindes beurteilen und mit ihm allein das Gespräch suchen.

Zentrum für Schulpsychologie und Pädagogisch-Therapeutische Dienste ZEPT

  • Waisenhausstrasse 10
  • 9100 Herisau
  • T: +41 71 354 71 11
  • Öffnungszeiten
  • Mo. - Fr. 08.00 - 11.30 / 14.00 - 16.30
    Freitagnachmittag geschlossen

Notfall-Telefonnummern

Bei einem Notfall können Sie sich an folgende Telefonnummern wenden, welche 24 Stunden erreichbar sind: 

Kinder- und Jugendnotruf
Telefon: 071 243 77 77

Telefonhilfe für Kinder und Jugendliche
Telefon: 147

Die dargebotene Hand
Telefon: 143

Eltern-Hotline Tatkräftig
Telefon: 071 243 78 78

Polizei AR
Telefon: 117 

Margot Vogelsanger

    • T: +41 71 354 71 01